Stefan Reuß. Unser Landrat.

Landrat Reuß: Chancen erkennen und ergreifen

Jahreswechsel 2015/2016

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in wenigen Tagen feiern wir Weihnachten und sehen dem Jahreswechsel entgegen. Eine gute Gelegenheit, kurz inne zu halten und einen Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr zu werfen. Zugleich soll der Blick aber auch in die Zukunft – auf das Jahr 2016 – gerichtet sein.

Das Jahr 2015 war ein besonderes Jahr. Die Herausforderungen, vor die uns die Flüchtlingskrise gestellt hat, sind außergewöhnlich und werden uns ganz sicher auch weit über die Jahreswende hinaus begleiten. Noch immer sind sehr viele Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung. Auch im Werra-Meißner-Kreis haben wir am Leid dieser Menschen teilgenommen und sind seit Monaten damit beschäftigt, Unterkünfte zu finden und die Flüchtlinge, unter ihnen viele Kinder, mit dem Nötigsten zu versorgen. Hier sind Verwaltung und Hilfsorganisationen in hohem Maße gefordert. Gleichzeitig gibt es aber auch ein überwältigendes ehrenamtliches Engagement vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer. Ohne diesen großen gesamtgesellschaftlichen Einsatz wäre die Situation nicht zu meistern. Ich möchte allen, die sich hier so vorbildlich engagieren, meinen aufrichtigen Dank sagen und Respekt für die große Hilfsbereitschaft zollen.

Alle uns vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass wir damit rechnen müssen, dass auch in den kommenden Monaten weiterhin viele Flüchtlinge bei uns Zuflucht suchen werden. Neben der akuten Aufgabe der Hilfe steht dabei auch die große Herausforderung der Integration der Menschen an. Der Werra-Meißner-Kreis hat dies erkannt und beispielsweise mit Sprachkursen, der Integration im Sport und einer gezielten Arbeitsvermittlung Maßnahmen ergriffen, die Integration wirklich ermöglichen. Auch viele ehrenamtliche Projekte – 13 davon erst kürzlich ausgezeichnet mit dem Sozialpreis des Werra-Meißner-Kreises – sind hervorragende Beispiele ganz praktischer Integrationsarbeit vor Ort!

Alle Angebote sind gebündelt im Internet unter www.integrationsnetz-wmk.de zu finden.

Hier zeigt sich einmal mehr, wie groß das Engagement der Menschen in unserem Kreis ist und wie viel wir der ehrenamtlichen Arbeit verdanken. Diese zu fördern und zu würdigen ist wichtig, denn wir brauchen diese weiterhin in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Auch der Freiwilligentag im Herbst dieses Jahres hat die Kraft des freiwilligen Engagements wieder eindrucksvoll gezeigt.

Den Dank haben wir auch in diesem Jahr unter anderem beim traditionellen Ehrenamtscard-Empfang des Kreises, den Wellnesstagen für pflegende Angehörige sowie bei der bereits erwähnten Verleihung des Sozialpreises vielen engagierten Menschen persönlich sagen können. Aber ich möchte auch an dieser Stelle nochmals allen, die sich freiwillig engagieren, ein herzliches Dankschön sagen!

Im Hinblick auf die Flüchtlingssituation will ich aber auch betonen, dass wir alleine mit ehrenamtlichem Engagement die Probleme nicht lösen können. Bund und Land sind hier gefordert, Kommunen und private Initiativen bei der humanitären Hilfe und der Integration stärker zu unterstützen.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsfrage sind andere Themen in den Hintergrund getreten. Doch es gibt eine Reihe weiterer wichtiger Punkte für unseren Kreis, die ich benennen möchte:

Erstmals seit 21 Jahren ist der Haushalt des Werra-Meißner-Kreises wieder im Plus. Unsere Konsolidierungsanstrengungen zeigen deutliche Früchte. Dies war aber nicht ohne, zum Teil schmerzliche, Einschnitte möglich. Deshalb möchte ich auch betonen, dass aus meiner Sicht die Belastungsgrenze für die Bürgerinnen und Bürger erreicht ist. Ein Kaputtsparen der öffentlichen Infrastruktur bei einer gleichzeitig hohen Belastung der Bürgerinnen und Bürger ist kein Weg, der in die Zukunft führt. Die Kommunen brauchen eine solidarische Unterstützung durch Bund und Land.

Weil wir als Kreis an die Zukunft der Verwaltungsstandorte Eschwege und Witzenhausen glauben, haben wir, trotz geringer finanzieller Spielräume, die Weichen für eine Modernisierung gestellt. Durch den Ankauf des Schlosshotels in Eschwege wird es möglich, rund um den Schlossplatz in Eschwege zusammen mit dem dann modernisierten Schlossgebäude, ein modernes Verwaltungszentrum zu schaffen. Das Verwaltungsgebäude in Witzenhausen ist in diesem Jahr bereits umfassend modernisiert und barrierefrei umgebaut worden.

Ein ganz wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Situation in unserem Kreis hat uns gerade erst vor wenigen Tagen erfreut aufhorchen lassen. Die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie nie, seit Beginn der statistischen Erfassung. Aber ein drohender Fachkräftemangel ist in einigen Bereichen schon wahrnehmbar, hier gilt es entgegenzuwirken.

Positiv auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge ausgewirkt. Über 200 Stellen sind dadurch in den Bereichen Betreuung durch Sozialorganisationen, Verpflegung, Sicherheit und Pädagogik geschaffen worden.

Ein Nebeneffekt der Zuwanderung soll an dieser Stelle ebenso Erwähnung finden. So hat sich der Demografische Wandel durch die Zuwanderung deutlich verlangsamt. Der Kreis ist deshalb in diesem Jahr nicht wie erwartet unter die 100.000 Einwohner Zahl gefallen. Dass die Mehrzahl der Flüchtlinge jung ist, verändert zusätzlich die Alterszusammensetzung der Bevölkerung positiv.

Erfreulich ist auch, dass es uns erneut gelungen ist, im Rahmen eines Modellprojektes auf Bundesebene erfolgreich zu sein. Der Werra-Meißner-Kreis ist eine von nur 13 ausgewählten Regionen in der Bundesrepublik, die zur Gestaltung des Demografischen Wandels in den nächsten Jahren Fördergelder in Höhe von je 1,5 Millionen Euro erhalten werden. Mit dem Projekt „Land(Auf)Schwung“ können wir unsere innovativen Ansätze zur Gestaltung der Zukunft des Kreises gemeinsam mit dem Verein für Regionalentwicklung voranbringen.

Als weitere Zukunftsthemen, die uns dieses Jahr beschäftigt haben, sind folgende zu nennen:

Der Baufortschritt der A 44 ist erfreulich, doch wünschen wir uns hier nach wie vor eine weitere Beschleunigung des Baus und einen baldigen Abschluss der letzten Planungsprozesse.

Deutlich schneller kommen wir beim Breitbandausbau voran. Im kommenden Jahr soll der Netzausbau beginnen, der zum Ziel hat, Glasfaser in jeden Ort in Nordhessen zu bringen.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass in diesem Jahr der zweite Schritt der Rekommunalisierung der neuen EAM durch den Beitritt weiterer Kommunen abgeschlossen werden konnte und damit die regionale Wertschöpfung weiter ausgebaut wird.

Zusammen mit den Initiativen und Maßnahmen des Kreises zum Klimaschutz ist es hier gelungen, die Energiewende erfolgreich im Sinne einer ökologischen und regionalen Ausrichtung deutlich voran zu bringen

Zu Beginn des kommenden Jahres steht ein wichtiger Termin für die Kommunen und den Kreis ganz oben in der Aufmerksamkeit. Am 6. März 2016 sind Sie aufgerufen, die Zusammensetzung der Gemeindevertretungen, der Stadtverordnetenversammlungen und des Kreistages neu zu bestimmen. Ich möchte Sie schon jetzt dazu einladen, zur Wahl zu gehen und Ihre Stimme abzugeben. Sie entscheiden damit ganz konkret über die Zukunft Ihres nächsten Lebensumfeldes und stärken damit die Demokratie vor Ort. Lassen Sie sich dabei bitte nicht von jenen fehlleiten, die vermeintlich einfache Lösungen anbieten, in Wahrheit aber die Demokratie als solche in Frage stellen. Die Zukunft ist zu wertvoll, um sie Demagogen zu überlassen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein friedliches und schönes Weihnachtsfest und viel Glück und Gesundheit für das Jahr 2016.

Ihr

Stefan G. Reuß