Stefan Reuß. Unser Landrat.

Landrat Reuß: Kommunalpolitik hat Problem des Ärztemangels schon früh erkannt – Bund, Land und Kassenärztliche Vereinigung muss Rahmenbedingungen verbessern

„Dass in ländlichen Regionen wie unserem Kreis ein Ärztemangeln droht, ist für die Kommunalpolitik keine neue Erkenntnis. Schon seit 2008 haben wir als Kreis das Thema intensiv bearbeitet und dazu auch bereits zwei Fachforen in den Jahren 2008 und 2012 veranstaltet“, betont Landrat Stefan Reuß angesichts der neuen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Zukunft der Arztversorgung auf dem Land.

Der Werra-Meißner-Kreis hat auch beim Thema Ärztemangel dank seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Folgen des Demografischen Wandels eine Vorreiterrolle. „Unsere Region ist mit dem Modellprojekt „Regionales Gesundheitsnetz“, das am 1. April gestartet ist, auf dem Weg die ärztliche Versorgung durch die Beteiligung aller Akteure zukunftssicher zu machen und hat damit einmal mehr bewiesen, dass wir die Zeichen der Zeit früher als andere erkannt haben“, unterstreicht der Landrat.

„Wir haben gerade die Kassenärztliche Vereinigung immer wieder darauf hingewiesen, dass auch diese sich bewegen muss, um die Bedingungen für Ärzte auf dem Land zu verbessern. Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, wird es gelingen, mehr junge Ärzte dazu zu bewegen, eine Landarztpraxis zu übernehmen. Hier ist gerade auch von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung aber mehr Engagement gefordert, als nur die negativen Zahlen zu nennen“, fordert Reuß.

Die Kommunen sind in jedem Fall bereit Ärzte dabei zu unterstützen, wenn sie Interesse an der Übernahme einer Landarztpraxis haben. „Wir haben schon mehr als einmal bewiesen, dass wir willens und in der Lage sind, hier durch flankierende Maßnahmen zu helfen. Aber entscheidend sind die Rahmenbedingungen, die von Bundes- und Landesebenen und eben auch von der Kassenärztlichen Vereinigung gesetzt werden. Hier hat die Kommunalpolitik keinen direkten Einfluss und kann nur appellieren, dass hier schnell Maßnahmen ergriffen werden, bevor die Problematik noch bedrohlicher wird“, fordert der Landrat.

„Gerade die Kassenärztliche Vereinigung hat viel zu lange damit argumentiert, dass statistisch gesehen im Werra-Meißner-Kreis kein Ärztemangel drohe, da die Bevölkerung ja abnehme. Dass die Bevölkerung aber auch immer älter wirde und dadurch mehr ärztliche Versorgung und Hausbesuche benötigt werden, wurde als Problem nicht rechtzeitig erkannt und in den Bedarfsplänen somit nicht berücksichtig“, bemängelt Reuß.

„Durch eine verstärkte Übernahme von Aufgaben im Bereich der Hausbesuche durch nicht ärztliche Personal, die Ermöglichung von Zweigpraxen, Erleichterungen bei der Möglichkeit Medizinische Versorgungszentren einzurichten und Honorarverbesserungen könnten die Bedingungen für Landärzte verbessert werden. Hier ist es nötig weitere Schritte durch den Gesetzgeber und die Standesorganisationen zu gehen“, betont der Landrat.