Stefan Reuß. Unser Landrat.

Louis-Spohr-Plakette für Stefan Reuß

Im 175. Jahr des Bestehens des Mitteldeutschen Sängerbundes erhielt Stefan Reuß die Louis-Spohr-Plakette, die höchste Sängerauszeichnung in Hessen. Aus den Händen von Ehrenpräsident Hans-Hermann-Spitzer, der die Laudatio hielt, erhielt er die hohe Auszeichnung für sein Engagement um den Chorgesang.

Hier die Dankesrede im Wortlaut:

Dankesrede

 anlässlich der Louis-Spohr-Plaketten-Verleihung

am

27. April 2014 in Hann. Münden

Stefan Reuß erhält die Plakette von Ehrenpräsident Hans-Hermann-Spitzer

Stefan Reuß erhält die Plakette von Ehrenpräsident Hans-Hermann-Spitzer

Anrede

Es ist für mich eine besondere Ehre und Freude, anlässlich des heutigen Ehrungstages zur Verleihung der Spohr-Plaketten hier in Hann. Münden die Dankesrede für den illust­ren Kreis der diesjährigen Preisträger anführen zu dürfen.

Ich darf mich sehr herzlich bei Ihnen, liebe Sängerinnen und Sänger, sehr geehrtes Präsidium des Mitteldeutschen Sängerbundes, sehr geehrter Herr Präsident  Bergmann, bedanken, dass wir uns in die prominente Reihe der Preisträger einrei­hen dürfen.

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft haben den Preis be­reits erhalten. Seit 1959 haben Sie die Spohr-Plakette schon verliehen. Dass wir, die diesjährigen Preisträger, anlässlich auch des 175-jährigen Bestehens des Mitteldeut­schen Sängerbundes, diese Auszeichnung am Gründungsort des MSB erhalten dürfen, er­freut uns sehr und ehrt uns ganz besonders. Chorgesang ist zu einem festen Bestandteil unseres Miteinanders, unseres gesellschaftlichen Lebens, geworden, Chorgesang ist ein Kulturgut. Von daher sollte es auch für alle politisch Ver­antwortlichen, Mandats- und Würdenträger selbstverständlich sein, dass Chor­musik nach allen Kräften gefördert und unterstützt wird. Wie arm wäre doch unsere Gesell­schaft, wie arm wäre doch unser kulturelles Leben an ganz vielen Stellen, wenn es nicht den Chorgesang gäbe. Ja, wir können nicht darüber hinwegtäuschen, wollen es auch nicht vernachlässigen, dass gerade in den vergangenen Jahren die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger deutlich zurückgegangen ist und dass sicherlich an vielen Stellen eine Reihe von Chören auch in die Not geraten sind, nicht mehr eigen­ständig auftreten zu können. Dennoch, die Freude am gemeinsamen Musizieren, am gemeinsamen Gesang vergeht nicht, nein, sie muss auch gefördert werden, denn sie ist für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Erlebens, des gemeinschaft­lichen Miteinanders.

Der Mitteldeutsche Sängerbund leistet für seine mehr als 700 Mitgliedschöre und über 40.000 Sängerinnen und Sänger wertvolle und unentbehrliche Arbeit. Die Prä­sidenten und die Vorstände, die Sängerkreise, die Sängerbezirke haben sich zur Aufgabe gemacht, den Chorgesang als wichtiges Kulturgut nicht nur zu erhalten, sondern auch weiterzutragen. Viele Möglichkeiten haben sie entwickelt, um Kindern und Jugendlichen die Schönheiten des Chorgesanges aufzuzeigen. Lassen Sie darin nicht nach. Die Zusammenarbeit mit Kindergärten, mit Schulen und anderen Ausbil­dungsinstitutionen ist ein unerlässlicher Bestandteil, um nicht nur Motivation zu ge­ben, sondern auch Nachwuchs zu fördern und Nachwuchs zu finden.

Wie arm wären wir doch, wenn wir an die Vielzahl der musikalischen Umrahmungen auf Veranstal­tungen denken, wenn diese plötzlich nicht mehr stattfinden würden. Daher gilt es auch, den Chorgesang in seiner Vielfalt und in seiner Schönheit herauszustellen. Im Rahmen der zahlreichen Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr gelingt Ihnen dies meisterlich.

Dieses große Jubiläum bietet eine unglaubliche Chance, die Popularität des Chorgesangs zu fördern und Werbung zu betreiben. Ich möchte nicht verhehlen, dass es sicherlich an der Zeit ist, auch neue Wege zu gehen und auszuprobieren. Bei aller Tradition, die gepflegt werden muss, darf der Zeitgeist nicht ganz spurlos vorübergehen und müssen sie in der Arbeit der Chöre auch darauf reagieren. Es hilft nichts, darüber zu klagen, wenn junge Menschen den Weg nicht in die Chöre finden. Es müssen Wege eröffnet werden, die Interessen wecken, neugierig machen und anlocken.

„Den Tag nach meiner Ankunft in Kassel wurde ich zur Gräfin von Hessenstein, der Geliebten des verstorbenen Kurfürsten, zu einer Musikpartie eingeladen. Ich traf dort die Dilettanten der Stadt, die sämtlich sangen, und zwar in sehr schlechter Manier. Da aber viele darunter mit guten Stimmen begabt waren, so brachte mich das auf die Idee, meine Wirksamkeit mit der Errichtung eines Gesangvereins zu beginnen. Ich knüpfte daher mit einigen der Sänger Bekanntschaft an und teilte ihnen meine Idee mit, und da sie sich zu interessieren schienen, so beredete ich mit ihnen, dass wir uns an einem der folgenden Tage versammeln wollten, um alles Erforderliche zu bereden. Der Verein trat am Cäcilientage ins Leben und nannte sich nach der Heiligen Cäcilienverein. Er wurde mit einer Hymne an die Heilige, von Frl. von Calenberg gedichtet und von mir komponiert, eröffnet, die aus Chören und einem Sopransolo bestand, womit meine älteste Tochter, die damals eine schöne Stimme besaß, großen Beifall einerntete. Der Verein sang in den ersten Jahren seines Bestehens einige Male in der katholischen Kirche eine Messe von Hauptmann mit Begleitung der Orgel während des Gottesdienstes und machte überhaupt in den wöchentlichen Übungen recht erfreuliche Fortschritte.“

Natürlich, das Liedgut spielt dabei eine wichtige Rolle und mitnichten ist es so, dass, nur weil wir es schon immer so gesungen haben, alle damit auch einverstanden sind und nicht bereit wären, etwas Neues auszuprobieren.

Ich habe in den letzten Jahren bei ganz vielen Gelegenheit erleben dürfen, wie schnell sich Chöre entwickelt haben und der Mitgliederschwund beendet werden konnte, wenn Tradition und Neues nebeneinander eine Chance erhalten haben.

Die Begeisterung, die bei den Kindern in den Kindertagesstätten für den Gesang vorhanden ist, müssen wir erhalten, konservieren, und über den „Stimmbruch“ bringen.

Dass dies gelingen möge, wünsche ich den Chorleitern und verantwortlichen Vorständen von Herzen. Es ist manchmal bestimmt ein schwieriger Weg, aber ich bin sicher, er lohnt sich und ist allemal leichter, als eines Tages den Gesangsbetrieb einstellen zu müssen. Haben Sie Mut zu neuen Wegen. Wenn diesen Mut Louis Spohr bei seinen Kompositionen zu seiner Zeit nicht gehabt hätte, wäre er bestimmt nicht erfolgreich gewesen.

Denn „nichts kommt von allein, sondern jede Zeit hat ihre Herausforderungen, wenn man in ihr erfolgreich sein will“, hat Willy Brandt einmal gesagt.

Nutzen Sie die Herausforderungen der Zeit und seien Sie versichert, Sie haben ganz viele Verbündete dabei.

Dazu möchte ich Ihnen nicht nur herzlich gratulieren, sondern auch ein herzliches Dankeschön sagen, dass Sie mit einem so vielfältigen und großartigen Angebot uns allen immer wieder aufzeigen, wie wichtig diese kulturellen Beiträge sind.

Die heutige Verleihung der Spohr-Plakette ist für uns alle, die wir heute ausge­zeichnet wurden, eine besondere Ehre. Die Plakette in Gedenken an den berühmten Kasseler Bürger Louis Spohr, der gelebt und gewirkt hat als herausragende Musikerpersön­lichkeit und damit nicht nur mit dem Chorwesen verbunden ist, ist in der Region verwurzelt. Für mich persönlich darf ich feststellen, dass die Auszeichnung mich wirklich stolz macht. Die Auszeichnung ist mir aber auch eine Verpflichtung und ein Ansporn zugleich, sie weiterhin mit allen Möglichkeiten und Kräften zu unterstüt­zen. Ja, auch als jüngerer Amtsträger ist es möglich, dem Chorgesang, vielleicht auch nicht als aktiver Sänger, aber mit der Vielzahl der Möglichkeiten, die man hat, eine Stimme zu verleihen. Dies will ich gern auch in der Zukunft tun und Ihr Wirken und Handeln nach Kräften unterstützen.

Die Einreihung in die prominenten Träger der Spohr-Plakette ist darüber hinaus auch eine Anerkennung von Ihnen für die Arbeit, die wir an vielen Stellen leisten und wir werden versuchen, unsere Unterstützung fortzusetzen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Sängerinnen und Sänger und dem Mitteldeutschen Sän­gerbund in diesem besonderen Jahr des 175-jährigen Bestehens, dass deutliche Spuren hinterlassen werden, viele Tonspuren hinterlassen werden, die eröffnen, dass ganz viele Jüngere und vielleicht auch Ältere, sich mit den Chören in ihrer Vielfalt und Qualität verbunden fühlen und auch aktiv dabei sein wollen. Ge­meinschaftliches Singen über alle Generationen und alle kulturellen und sozialen Unterschiede hinweg ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam vorantragen sollten. Dies soll unser Auftrag sein, dies soll aber auch mit dem Wunsch verbunden sein, dass der Chorgesang als Kulturgut in unserer Heimat weiterhin einen hohen Stellenwert genießt und dass wir trotz aller Problemlagen, die es gibt, nicht nachlassen, dafür zu werben, in die Chöre zu kommen und an der ein oder anderen Stelle nicht nur tradi­tionelles Liedgut zu erhalten, sondern auch neues zu intonieren.

Dies alles wünsche ich Ihnen zu Ihrem Jubiläum und bedanke mich im Namen aller heute Ausgezeich­neten sehr, sehr herzlich für diese Ehre, die Sie uns zuteil werden lassen. Den An­spruch und den Ansporn nehmen wir gern mit. Herzlichen Dank.