Stefan Reuß. Unser Landrat.

So haben sie das packende DFB-Pokalfinale live im Berliner Olympiastadion erlebt

WERRA-RUNDSCHAU vom 22. Mai 2018

Gespräch über das Pokalfinale mit Ex-WR-Sportchef Harald Triller und Nachfolger Nico Beck


Berlin/Eschwege. Wer beim DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt am Samstagabend in der TV-Übetragung der ARD ganz genau hingeschaut hat, der hat den Landrat des Werra-Meißner-Kreises entdeckt, Stefan Reuß.

Der 47-Jährige, der in seiner Funktion als Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) auf der Ehrentribüne im Berliner Olympiastadion saß, war immer dann zu sehen, wenn Jogi Löw eingeblendet wurde. Reuß saß direkt hinter dem Bundestrainer.

Neben Reuß war eine weitere Persönlichkeit aus dem Kreisgebiet live dabei: der Eschweger Schlagerstar G.G. Anderson. Im Frankfurt-Trikot. Ein Doppel-Interview.

Während der Live-Übertragung im TV zu sehen: Landrat und HFV-Präsident Stefan Reuß (rechts oben). Der 47-Jährige sitzt direkt hinter Bundestrainer Joachim Löw.

Wie haben Sie den Moment des Abpfiffs erlebt?

G.G. Anderson: Dafür gibt es eigentlich keine Worte. Das war die pure Freude. Wir haben uns alle in den Armen gelegen, alle hatten Tränen in den Augen. Auch ich habe vor Freude geweint. Das war ein historischer Moment, ein unfassbares Spiel.

Stefan Reuß: Es herrschte eine unbändige Stimmung und ich musste mich erst mal kneifen, ob Frankfurt grade tatsächlich Bayern München im Endspiel bezwungen hat. Das war echt was Besonderes, wieder den Pokal zu gewinnen.

Für Frankfurt war es der erste Pokalgewinn seit 30 Jahren.

G.G.: Und damals war ich auch live dabei. Ich bin seit 60 Jahren glühender Eintracht-Fan, das hat mich schon so manche Nerven gekostet. Auch im Vorjahr gegen Dortmund war ich dabei. Aber dieses Mal hat es zum Glück mal wieder geklappt.

Reuß:Auch für mich war das doppelt schön, weil ich einerseits als HFV-Präsident natürlich der Eintracht die Daumen gedrückt habe, zudem bin ich Fan der SGE.

War der Sieg denn verdient?

G.G.:(Lacht) Die Antwort fällt einem Frankfurt-Fan natürlich sehr leicht. Spaß beiseite: Die Partie zählt zu den größten Spielen, die ich live erlebt habe, aber wir dürfen uns nicht wundern, wenn Bayern zur Pause schon 4:1 geführt hätte. Aber das ist Fußball. Der Ball muss eben ins Tor. Und die Bayern haben ihre großen Chancen nicht genutzt.

Reuß: Wenn Lewandowskis Lattenknaller zu Beginn des Spiels reingeht, dann nimmt die Partie sicher einen anderen Verlauf. Insgesamt war es bestimmt kein fußballerischer Leckerbissen, aber mit Leidenschaft und Emotionen hat es Frankfurt dann super gemacht. Bayern hat meines Erachtens nach der letzte Biss gefehlt.

Die letzten Minuten waren an Dramatik kaum zu überbieten: Videobeweis wegen eines vermeintlichen Foulspiels, kein Elfmeter, das 3:1…

G.G.: Als der Schiedsrichter nach dem Anschauen der Bilder zur Eckfahne statt auf den Elfmeterpunkt zeigte, da habe ich den lautesten Schrei im ganzen Stadion losgelassen.

Reuß:Es war eine packende Schlussphase, die die Leute von den Sitzen gerissen hat. Ob es ein Elfmeter war, das konnten wir von der Tribüne im ersten Moment natürlich nicht erkennen. Da hat sich jeder gefragt ‘Was ist denn jetzt hier los?’.

Herr Reuß, Sie saßen auf der Ehrentribüne direkt hinter Bundestrainer Jogi Löw. Wie war die Stimmung dort?

Reuß: Die Emotionen gingen auch hier hoch. Ich habe nach den Toren die Arme in die Luft gerissen. Die gesamte sportliche Leitung der Nationalmannschaft war da schon etwas verhaltener, aber ich nicht. Das muss ich als HFV-Präsident ja auch nicht sein.

Und haben Sie Löw Tipps zur endgültigen Auswahl der WM-Fahrer mitgegeben?

Reuß: Auch wenn ich es versucht hätte, wäre das während des Spiels fast unmöglich gewesen. Er war so fixiert auf die Partie und sicherlich auch auf die Auftritte seiner Nationalspieler, dass er wie im Tunnel war. (Lacht) Aber er wird auch ohne meine Tipps die richtige Entscheidung treffen.

Haben Sie den Sieg im Anschluss gefeiert?

G.G.:Dazu war ich gar nicht mehr in der Lage. Ich war völlig am Ende, total ausgepowert. Ich denke, das waren die meisten, die vorher so mit Leib und Seele dabei waren. Da ging dann nicht mehr viel.

Reuß: Ich habe unter anderem mit Charly Körbel und Volker Bouffier auf der Tribüne gestanden und habe diese Emotionen auf dem Feld und die Atmosphäre im Stadion noch lange genossen. Mit DFB-Präsident Reinhard Grindel habe ich mich noch unterhalten, später dann noch mit Freunden getroffen.

 

ZU DEN PERSONEN

Stefan Reuß (47) ist seit dem Jahr 2006 Landrat des Werra-Meißner-Kreises und seit zwei Jahren auch Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). Er spielte aktiv Fußball, war im Vorstand des SV Velmeden und Schiedsrichter. Als Schiri-Assistent lief er sogar in der 2. Bundesliga auf. Reuß lebt in Witzenhausen, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

G.G. Anderson (68) ist einer der berühmtesten Söhne der Kreisstadt Eschwege. Der Schlagersänger, Komponist und Produzent ist seit den 1970-er Jahren in der Musikbranche tätig. Von ihm stammen unter anderem die Songs „Mädchen, Mädchen“ und „Sommernacht in Rom“. Er schrieb große Hits für Stars wie Roland Kaiser, Heino, Rex Gildo und Mireille Mathieu. G. G. lebt in seiner Heimatstadt Eschwege, für die er bei öffentlichen Auftritten immer wieder gern wirbt, ist verheiratet und hat zwei Söhne.