Stefan Reuß. Unser Landrat.

Sozialpreise des Werra-Meißner-Kreises verliehen

Der Werra-Meißner-Kreis ist eine von sechs Modellregionen zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention in Hessen und stellt sich damit der Herausforderung, das Thema „Inklusion“ in unserer Region mit Leben zu füllen.

Dementsprechend stand auch der diesjährige Wettbewerb zum Sozialpreis des Werra-Meißner-Kreises ganz im Zeichen des Themas Inklusion. Landrat Stefan Reuß betonte in seiner Ansprache die Vielschichtigkeit des sozialen Engagements im Werra-Meißner-Kreis und zeigt sich erfreut, dass in vielen Sozialen Projekten die Integration behinderter Menschen bereits ganz selbstverständlich ist. „Wir haben ein erfreulich hohe Zahl an Bewerbungen um den Sozialpreis gehabt, die zeigen, dass wir beim Thema Inklusion auf einem guten Weg sind“, lobte der Landrat.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Sozialpreises Werra-Meißner erhielten die Auszeichnung anlässlich eines Empfangs im E-Werk in Eschwege.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Sozialpreises Werra-Meißner erhielten die Auszeichnung anlässlich eines Empfangs im E-Werk in Eschwege.

Folgende Institutionen und Personen wurden mit dem Sozialpreis in Höhe von 500 Euro ausgezeichnet:

Senioren-Mittags-Tisch der Ev. Kirchengemeinde Frieda

10 – 12 ehrenamtliche „Köchinnen und Köche“(teils selbst gesundheitlich eingeschränkt) bereiten einmal im Monat (donnerstags) in der Weinberghalle in Frieda für ca. 50 Seniorinnen und Senioren ein dreigängiges Mittagessen zu. Eine einmalige Anschubfinanzierung wurde durch die Kirchengemeinde geleistet. Mittlerweile trägt sich der Mittagsstammtisch durch die Spenden der Essensteilnehmer.

Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer ist sogar ein Fahrdienst eingerichtet worden. Die Teilnahme für die Senioren/innen und auch die Personen mit Behinderungen ist ein wichtiger Begegnungs- und Kontaktaspekt in der Gemeinde. Alle teilnehmenden Personen genießen den Besuch des Mittagsstammtisches.

Freizeit- und Fußballverein „Palm Strikers“ Eschwege 1984 e. V.

Schon seit 25 Jahren engagiert sich der Verein für soziale Belange in der Stadt Eschwege. Die Fußballer führen zu Gunsten der Werraland-Werkstätten, verschiedener Kindertagesstätten in Eschwege sowie auch der Paul-Moor-Schule Wehretal Benefiz-Fußballturniere durch. Der Erlös wird stets den Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Zum diesjährigen Johannisfest führte der Verein einen „Eschweger-Integrationscup“ durch. Mit diesem besonderen Fußballturnier unter dem Motto „Alle Menschen sind mit dabei, alle Menschen gehören einfach dazu“ hat der Verein ein bemerkenswertes Projekt im Sinne der Inklusion veranstaltet. Die Idee zwischen Senioren-Fußballteams und Handicapmannschaften „Spielgemeinschaften“ zu bilden und auf Punkte- und Tore-Jagd zu gehen, ist in beispielhafter Weise gelungen.

„RÖSTwerk in Witzenhausen“ – Verein Aufwind e. V.

Der Verein hat in Witzenhausen die kleine Kaffeerösterei am Marktplatz eingerichtet. Dort wird den Klient/innen aus der Tagesstätte für psychisch Kranke die Möglichkeit gegeben, entweder Unterstützung in der Einrichtung selbst oder im Rösterei-Cafe in Anspruch zu nehmen. So wird ihnen behutsam die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sowie am Arbeitsleben ermöglicht. Vorgesehen ist, die Klienten je nach Fähigkeit und Neigung in alle Bereiche einzubeziehen: Rösten, Abpacken, Mahlen, Kasse Service und Versand. Die Mitarbeiter von Aufwind und die Klienten arbeiten gemeinsam als Team „auf Augenhöhe“ und benennen sich auch vor der Kundschaft gegenseitig als Kollegen.

Jugendheim Burgenhof GmbH – Gesellschaft der Werralandwerkstätten e. V.

Aus dem Jugendheim Burgenhof Witzenhausen (Jugendhilfeeinrichtung) und dem Werner-Seeger-Haus (Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche) in Wehretal-Reichensachsen treffen sich seit April 2013 ca. 10 – 12 Jugendliche abwechselnd in den Einrichtungen, um gemeinsam Freizeitaktionen zu planen, zu gestalten und umzusetzen. Begleitet werden die Jugendlichen von jeweils einem Mitarbeiter des Burgenhofes und des Werner-Seeger-Hauses. Die Jugendlichen sollen sich durch diese Begegnungen und gemeinsamen Aktionen, gemeinsame Abendessen, Pizza backen, gemeinsames Basteln etc.) kennenlernen und Unsicherheiten und Vorurteile überwinden und Gemeinsamkeiten entdecken und weiter entwickeln. Mittlerweile haben sich schon Freundschaften gebildet, die sogar zu gegenseitigen Besuchen und Übernachtungen geführt haben. Ein weiteres Ziel für die Zukunft ist es, die Gruppe für Kinder und Jugendliche, die nicht in einem Wohnheim leben, zu öffnen. Geplant ist, eine gemeinsame Theatergruppe oder Musikgruppe zu bilden. Das Interesse aneinander und der respektvolle Umgang miteinander ist ein großer Gewinn, daher sollen weitere Schritte unternommen werden, um nach und nach auch andere Jugendliche für diese Gruppe zu gewinnen.

„Erzählcafé“ des Seniorenforum Eschwege – Arbeitsgruppe Bildung und Kultur

Das Seniorenforum Eschwege hat sich im Jahre 2008 auf Anregung der Kreisstadt Eschwege gegründet. In vier Arbeitsgruppen arbeiten dort ältere Menschen ehrenamtlich zu verschiedenen Themenbereichen mit.

Seit einigen Jahren bietet die Arbeitsgruppe Bildung und Kultur ein „Erzählcafé“ an. Zu Beginn wurden ältere Menschen in Senioreneinrichtungen in Eschwege besucht und zum Erzählen aus alten Zeiten angeregt. Seit 2013 findet das Erzählcafé nun in enger Kooperation mit Aufwind e. V. im Begegnungscafé am Brühl in Eschwege an jedem 4. Mittwoch im Monat statt. Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen von Aufwind e. V. wird geplaudert, zugehört, getrauert und gelacht.

Die ehrenamtlichen Senioren/innen sowie die Bewohner und Besucher der Aufwind-Einrichtungen haben viel bemerkenswerte Erlebnisse aus ihrem Leben – ungeachtet ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigen – zu erzählen.

Mittlerweile kommen auch immer mehr Bürger/innen aus der Kernstadt in das Erzählcafé.

 

Ein Preisgeld von jeweils 100 Euro erhielten folgende Institutionen und Personen:

Kirmesgesellschaft Herleshausen

Die Kirmesgesellschaft besteht aus ca. 50 Mitgliedern. Das ganze Jahr über engagieren sich die jungen Menschen für das gesellschaftliche und soziale Dorfleben in und um Herleshausen. Einige Beispiele sind:

–          jährlichen Friedhofeinsätze

–          Mitwirkung beim Altennachmittag der Gemeinde Herleshausen

–          Beteiligung beim Volkstrauertag

Während der traditionellen Kirmes ist das soziales Engagement der Mitglieder noch einmal besonders hervorzuheben. Da werden nämlich die Bewohner des Ev. Alten- und Pflegeheimes „St Elisabeth“ stets mit eingebunden. Die Seniorinnen und Senioren werden ausdrücklich zum Kaffee und Kuchen am Kirmessonntag und zum Frühschoppen am Montag ins Festzelt eingeladen. Sitzmöglichkeiten werden durch die Kirmesgesellschaft hierfür explizit freigehalten.

Eine andere beispielhafte Leistung im Bereich der sozialen Einbindung ist, dass sich die Kirmesgesellschaft um ein aktives Mitglied, welches seit seiner Geburt an einer Art Mongolismus leidet und daher eingeschränkte geistige Fähigkeiten hat, kümmert. Der junge Mann ist vorbildlich integriert. Seit 2008 trägt er voller Stolz die Kirmes-Fahne und führt somit den jährlichen Festumzug an. Zu seinem diesjährigen 30. Geburtstag durfte er als Pritsche (Platzmeister) die Kirmesgesellschaft vervollständigen.

Zu bekräftigen ist, dass der Blick der Kirmesgesellschaft stets auf die Mitmenschen, ob mit oder ohne Behinderung, ausgerichtet ist. Das gesellschaftliche Leben in Herleshausen wird durch die Kirmesgesellschaft vorbildlich gefördert.

Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf e. V.

Das Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf besteht seit über 15 Jahren. Im Jahr 2010 wurde barrierefrei für Menschen mit Einschränkungen umgebaut.

Mit ca. 50 Ehrenamtlichen im Alter zwischen 17 und 75 Jahren versucht das Familienzentrum Bad Sooden-Allendorf in seinem Haus mit verschiedenen Angeboten (Literaturkreis, Chor, Mütterfrühstück, Theatergruppe) die menschliche Vielfalt zu leben. Es wird Wert darauf gelegt die Einschränkungen nicht als Defizit, sondern als Bereicherung der Lebenswelt zu sehen und als Chance selbst zu wachsen und andere so anzunehmen wie sie sind.

Wöchentlich besuchen über 100 Menschen jeglichen Alters und mit allen möglichen Einschränkungen (Körperbehinderungen, Rollatoren, psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, Essstörungen, Demenz, Angstzuständen, Depressionen) das Haus. Die Menschen schätzen es, dass man Zeit für sie hat.

Herr Wolfgang Wagner aus Wanfried

Herr Wagner ist seit 2004 als Vorsitzender des Ortsvereins Wanfried der Arbeiterwohlfahrt sowie seit 2008 als Vorstandsmitglied im Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt tätig. Zusammen mit seiner Ehefrau organisiert er wöchentlich Fahrradtouren, Wanderungen und Treffen zu Brett- und Kartenspielen, welche von den Seniorinnen und Senioren zahlreich angenommen werden. In besonderer Weise engagiert er sich in der Ev. Kirchengemeinde. Dort ist er seit 1971 Mitglied im Kirchenvorstand, seit diesem Jahr Kirchenältester und seit 1974 Lektor der Kirchengemeinde. Er übernimmt in dieser Funktion Gottesdienstvertretungen für die örtlichen Pfarrer und auch in Meinhard und Ringgau. Weiterhin gehört er dem Arbeitskreis Gottesdienst an und hält regelmäßig Bibelcafés und ökumenische Bibelabende. Seit 1980 ist Herr Wagner zudem Mitglied der Kreissynode und Vorstandsmitglied im Zweckverband des Kirchenkreisamtes für den Kirchenkreis Eschwege-Witzenhausen. Von 1972 bis 1982 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an. Herr Wagner widmet sich all diesen Aufgaben mit hoher Kompetenz und großem Einfühlungsvermögen. Von der Stadt Wanfried wurde er bereits mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.

Lichtenau e. V.: Projekt „Alternativen zur stationären Versorgung – Tagespflege und ambulante Rehabilitation“

Im November d. J. werden die angemieteten Räume für die neu entstehende Tagespflege und Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen eröffnet. Der Lichtenau e. V. will damit ein zusätzliches attraktives Pflege- und Betreuungsangebot vor dem Hintergrund Inklusion schaffen. Im Erdgeschoss des Hauses werden zwölf Personen in die Tagespflege aufgenommen werden. Die Lücke zwischen der stationären Versorgung im Pflegezentrum und der Pflege zu Hause soll geschlossen werden. Die Wohngruppe für Menschen mit Behinderung, die zur Sozialen Rehabilitation des Rehabilitationszentrums von Lichtenau e. V. gehört, wird mit fünf bis sechs Personen eingerichtet. Dieses zusätzliche Angebot richtet sich an diejenigen, die gewissermaßen aus dem Standort „Am Mühlenberg“ herausgewachsen sind, sich aber noch nicht zutrauen, allein zu wohnen.

Verein Transition Town Witzenhausen e. V.

Transition Town Witzenhausen e. V. ist eine lokale aktive Gruppe innerhalb eines weltweit wachsenden Netzwerkes. Der Verein hat viele Mitwirkende mit psychischen Beeinträchtigungen. Sie finden bei Transition Town einen Ort, an dem sie angenommen und respektiert werden, vieles dürfen – aber nichts müssen. Besonders bekannt wurde die Gruppe durch das Projekt „UnvergEssbar – die essbare Stadt“. Grundidee hierfür war, dass mehr Essen lokal produziert und geerntet wird, sowie nachbarschaftliche Beziehungen aufgebaut werden. So wurden Brachflächen und Kübel mit Gemüse bepflanzt und die Einkaufsstraßen dadurch begrünt. Etwa 40 Geschäftsleute und Privatpersonen sind Teil der „Pflückoasen“. Jeder darf sich an der Ernte bedienen. Transition Town hat hierfür Schilder mit der Aufschrift „Pflücken erlaubt“ zur Verfügung gestellt. Ab Herbst d. J. soll auf dem neuen Gelände des AWO-Seniorenheimes in Witzenhausen ein Mehrgenerationengarten starten, in dem intergenerativ und inklusiv gegärtnert werden soll. Angrenzende Institutionen, vor allem die Kesper- und Johannisbergschule sollen in den Garten mit einbezogen werden. Für die Schüler/innen würde der Garten ein Lernort über gartenbauliche Kenntnisse werden. Für die zukünftigen Bewohner/innen des Heimes würde der Garten eine Erhöhung der Lebensqualität und ein Stück Alltag zur Außenwelt bedeuten. Nachbarn/innen, interessierte Witzenhäuser, Flüchtlingsorganisationen, Studierende, die über keinen eigenen Garten verfügen, können die Gartenflächen biologisch bewirtschaften. Es werden regelmäßig Programme angeboten. Das Haus kann von allen genutzt werden, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Für Kinder sollen hier speziell noch Programme angeboten werden: z. B. Hausaufgabenhilfe. Steigende Besucherzahlen zeigen, dass das Haus gut angenommen wird. Die Mitglieder von Transition Town haben im letzten Jahr ca. 80 Stunden pro Woche ehrenamtliche Arbeit geleistet. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 4000 Stunden. Seit Gründung des Nachbarschaftszentrums sind es nun ca. 100 Stunden wöchentlich.